Meine Welt steht Kopf


Geht es euch auch so?

Immer öfter führe ich Gespräche, die meine Welt auf den Kopf stellen. Gerade erst wusste ein Autorenkollege nicht, was ein Spannungsbogen ist. Oder ein Twist. Er schreibt nicht erst seit gestern. Aber das wirklich verwirrende daran war, dass es ihn garnicht interessierte. Tolle Geschichten zum Lesen wolle er schreiben. Und er hätte doch Leser. Er schreibt sich einfach alles aus dem Kopf und findet das gut und richtig so.

Es spricht ja nichts gegen diese Haltung. Dafür gibt es sogar einen Fachbegriff: kreative Freiheit heisst das.

Ich bin in der Zwickmühle. Ich weiss, wie es besser geht. Gefühlt habe ich es selber doch grad erst gelernt. Ich war dankbar. Konstruktives Feedback lässt mich besser werden. Aber jetzt ist es quasi aufdringlich, fast schon übergriffig, wenn ich sage, dass der Spannungsbogen fehlt.

Wie darf ich mir das denn vorstellen? Wird es demnächst nur noch Geschichten geben, die von Wortwiederholungen und Füllworten nur so überquellen? Denen neben dem Spannungsbogen auch jeglicher Sinn fehlt, weil jetzt alle nur noch ihren Kopf leer schreiben? Weil die eigene Schnupfbiografie das Non plus Ultra ist?

Ist es zu viel verlangt, dass sich Autoren mit ihrem Handwerk auseinandersetzen?

Wie wichtig darf und muss das Können sein? Wie wichtig ist es dir?

#aboutme


Gefühlt steht Nelson von den Simpsons gerade an jeder Ecke und ruft laut:“Ha haa!“
Warum? Weil ich wieder lernen darf, was ich eigentlich weiss. Was ich versucht habe zu ignorieren und mich davor zu drücken.
Die liebe gute Sichtbarkeit und meine Einstellung zu ihr zeigen sich überall. Als Leistungsorientierte fällt mir das immer wieder besonders schwer. Ich bin doch gut. Muss ich mich noch extra zeigen? Scheinbar. Also: Violà, hier bin ich. Sonnenschein, Problemlöser, Drachentöter, wenn benötigt. Schön, dich kennen zu lernen.

Ja, ohne Märchen geht es bei mir nicht. Ich gehe sogar soweit, dass ich behaupte, dass alle Geschichten, die wir heute lesen, egal ob Krimi oder Storytelling der Coaches und „Krisenbesserwisser“, alles basiert auf Märchen. Darauf, dass es für jedes Problem auch eine Lösung gibt. Und ich glaube, jeder, der vor einem neuen Problem steht, hätte tief im Inneren gern erst einmal drei Wünsche frei, um es zu beseitigen.
Mein aktuelles Problem hat stark mit meiner Sichtbarkeit zu tun. Und ich wünschte wirklich, es wäre einfacher. Dabei stehe ich mir dann gern auch noch selbst im Weg. Das kann ich gut. Mein geheimer Beruf ist wahrscheinlich Vorsteher in einer Glaserei. Sorry, für diesen etwas flachen Wortwitz.

Ich will mich auch garnicht raus reden. Wie heisst es so schön: Jeder Autor verarbeitet auch eigene Erfahrungen in seinen Werken.
Das ist so. Und genau damit hadere ich. Ich hadere damit, dass auch wenn der Leser nicht weiss wo, er einen sehr privaten Teil von mir sieht, das er an meiner Seele vorbeistreicht und sie sich ihm verletzlicher präsentiert, als ich es vor Freunden tun würde. Natürlich kann ich jetzt argumentieren, dass der Leser es ja nie genau wissen kann. Und Freunde auch nicht, siehe oben, so nah lasse ich selten jemanden ran. Und genau da liegt die Krux begraben. Wie kann ich Fremden zeigen, dass ich mir Nahestenden verwehre? Und im Gespräch mit mir selbst habe ich gute Argumente. So gute, dass es keine Lösung gibt.
Ausser vielleicht zu vertrauen. Darauf, dass Freunde und Familie sehen, dass sie verstehen und längst akzeptiert haben, was ich gern auch vor mir selbst verberge.

In meinem Märchen würde ich die Prinzessin oder die Elfe jetzt einfach mitten durch das Problem schicken. Würde ihr wohlwollende Helfer an die Seite stellen und am Ende ein grandioses Happy End setzen. Im Leben sieht das etwas anders aus.
Aber vielleicht habt ihr ja Tipps? Anregungen? Erfahrungen? Es würde mich freuen.

Bis zum nächsten Mal

eurer Sonnenschein

Ausgebremst


Während meine namenlose Prinzessin ihren Weg sucht und meine Elfenwelt Form annimmt, wandern meine Gedanken im Moment in meine Vergangenheit, zu meiner Herkunft.

Ich habe so oft im Leben neu angefangen, dass ich diese alt vertrauten Freunde, diese erinnerungsvollen Orte, dieses tiefe Heimatgefühl nicht mehr kenne. Manchmal„Ausgebremst“ weiterlesen

Wer bin ich?


Ich hatte gestern ein interessantes Gespräch. Es begann mit der Feststellung, dass ich für die Märchen ständig überall Neues tun muss. Einiges ist unter dem Pseudonym zu machen und geht leicht von der Hand. Das andere, da, wo ich für mich einstehen muss, da wird es schwieriger.
Ich habe mich ja schon an verschiedenen Dingen ausprobiert. Ich habe Pressetexte als Ghostwriter verfasst, das ging irgendwie ganz einfach. Mein Talent ist es, auf den Punkt zu kommen, das war sehr hilfreich. Auch Ratgeber oder einfache Geschichten wurden gern angenommen und mir wurde sogar ein „schöner Stil“ bescheinigt.
Was mir im Sommer schon auffiel: ich bin bei den Texten für Fremde lange nicht so kritisch, wie ich es bei mir bin. Wenn man die Texte dann abgibt, ist es eine abgeschlossene Arbeit, unter der nachher ein anderer Name steht. Damit kann ich gut leben.
Unter meinen Testlesern sind natürlich auch Leute, die mich kennen. Und wenn von dort mal die Nachfrage kam, ob etwas autobiografisch ist, war das nicht schlimm. In den seltensten Fällen schreibe ich nur über Sachen, die ich kenne oder die mir widerfahren sind. Meistens schreibe ich von Dingen, die ich gesehen oder gehört habe. Das lässt einfach mehr Raum für Änderungen. In meinem Horrorroman ist eine komplette Szene auf dem Erlebnisbericht meiner besten Freundin aufgebaut. Und obwohl sie keinen Horror mag, will sie das später noch lesen, am besten bevor es veröffentlicht wird 😉
Aber diese Märchen…, die haben etwas. Ich erinnere mich immer wieder daran, dass mir ein aktueller Bezug bescheinigt wurde, der beim Schreiben keineswegs beabsichtigt war. Aber von der Hand zu weisen war es dann eben auch nicht mehr. Und je mehr ich darüber nachdachte, warum es mir so schwer fällt, mit den Märchen nach außen zu gehen, desto klarer wurde es. Es ist nicht die Angst davor, das es verrissen wird. Natürlich sind solche Bedenken da, aber nicht so stark, dass sie mich zurückhalten können. Es wird Kritiken geben, das ist normal. Ich werde daran wachsen, dessen bin ich sicher. Die Märchen sollen Mut machen. Jedes zeigt auf seine Weise, dass es sich lohnt, so zu sein, wie man sein möchte. Und genau das ist der Knackpunkt. Darum tue ich mich so schwer. Weil das in der letzten Konsequenz mehr von mir zeigt, als es alle anderen Werke bisher je hätten tun können. Weil es zeigt wer ich bin.
Es ist doch verrückt. Dabei wäre es das leichteste einfach so zu sein, wie man ist, oder? Einfach dem zu vertrauen, was man mag und gut kann. Womit man anderen gut tut. Und so werden meine Märchen am Ende eine Lektion für mich selbst. Sei, wer du bist, und stürz dich mit all deinem Herzblut ins Leben. Ich hoffe, ich bin nicht allein. Mach mit!

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Davon könnt ihr euch heute gar keine Vorstellung mehr machen.


Dies ist mein Beitrag zum 9+1-Schreibprojekt von Blaubeermuffins machen glücklich

Der aktuelle Satz lautet: Davon könnt ihr euch heute gar keine Vorstellung mehr machen.

 

Diesen Satz hat jeder schon mal gehört. Meistens wohl eher als Vorwurf. Darum habe ich mir etwas überlegt, und hoffe es gefällt euch.

… „Davon könnt ihr euch heute gar keine Vorstellung mehr machen.“

Leise schweben die mit Stolz geflüsterten Worte aus seinen Mund, schwingen sich langsam aus dem kraftlosen Körper und scheinen einfach in der Luft zu hängen und zu warten.„Davon könnt ihr euch heute gar keine Vorstellung mehr machen.“ weiterlesen

Der letzte Tanz


„Manchmal sehe ich sie alle, weißt du das?“, riss sie ihn aus seinen Gedanken. Er wusste es nicht und quittierte die Frage darum mit einem „Hmm.“, und schwieg dann weiter.

„Ich meine Julie und Steve, Gustav und natürlich auch Ruth. Und all die anderen. Sie warten im Pavillon im Park auf uns.“ Sie schaute ihn über den Rand der Kaffeetasse ernst an. Ihre Augen waren für ihn wunderschön, auch wenn das Grau längst verwässert war. In seiner Kindheit hatten sie früher einen Reim: “Graue Augen- Straßendreck- werfen alle Jungen weg.“ Auf ihn traf das nicht zu. Der Glanz und die Stärke ihrer Augen hatten ihn zuallererst gefesselt. Ihr Blick war klar wie Tau an einem Frühlingsmorgen, manchmal auch silbern und tief wie der See im Herbst, kurz vor dem ersten Frost, wenn das Wasser ganz still war. Und genau so war sie auch. Vielschichtig und intelligent: eine Frau die ihn überraschte und herausforderte, auch heute noch.„Der letzte Tanz“ weiterlesen

Das Karma und die Fernbedienung


Endlich Freitag. Christoph freute sich auf das bevorstehende Wochenende. Er wollte Zeit mit seinen Kumpels verbringen: Eine zünftige Männerrunde, wie früher. Sie hatten alle das gleiche Hobby: Modellbau. Und seine neueste Errungenschaft wartete darauf, vorgeführt zu werden. Ein roter Mustang im Maßstab 1:30. Er baute den Motor und der Flitzer war natürlich aufgemotzt.„Das Karma und die Fernbedienung“ weiterlesen