Wege des Todes


Das hier ist eine kleine Schreibübung, die in einer Autorengruppe entstanden ist. Fünf Worte waren vorgegeben: Ventilator, Videospiel, Urne, Wolldecke und Spritze.
Ich wünsche viel Spass beim Lesen. Feedback dazu wie immer gern erwünscht.

Ein Ventilator surrt beruhigend im Hintergrund und streift mich regelmässig mit einem kühlenden Luftstrom. In der stehenden Luft des Raumes ist er herzlich willkommen und ich schiebe die Wolldecke ein Stückchen weiter runter.

Gedämpfte Geräusche wollen mich aus dem Schlaf zerren. Etwas hartnäckiges in mir wehrt sich vehement dagegen. Nur noch eine Minute länger, nur noch mal kurz umdrehen denke ich mir. Irgendwo spielt jemand ein Videospiel. Der Lärmpegel schwillt auf und ab.Es knallt und scheppert ständig und wenn es ruhiger zu werden scheint, erklingen wütende Stimmen.

Ich sollte aufstehen und das beenden. Das «Sollte» drückt sich mehr und mehr in mein Bewusstsein. Die Liste wird länger, je mehr Zeit ich verstreichen lasse. Aber dafür müsste ich dieses weiche, warme Nest verlassen.

Vielleicht bleibt noch ein Augenblick, um mit meinem Schatz zu kuscheln, ihn zu küssen und ihm einen guten Morgen zu wünschen, bevor ich mich der Realität stellen muss. So ein Augenblick gestohlener Zeit, wie er es immer nannte. Nur wir, nur jetzt. Unsere Waffe gegen die Realität, egal wie schwer es werden würde.

Ich drehe mich auf die Seite und öffne langsam die Augen. Dünnes, fades Licht fällt in einen kleinen, lieblosen Raum. Die blassgrüne Wand, an der der Nachttisch seht, kenne ich nicht. Aber ich erkenne die Urne, die darauf steht. Diese Erkenntnis zerschmettert das Leben, in dem ich mich eben noch wähnte. Jemand schreit, dass es einem bis ins Knochenmark fährt. Die Spritze, die mich gnadenvoll in meine Träume zurück lässt, spüre ich fast nicht.