Wenn Sterne vom Himmel fallen #5


Die Zeit bis Ostern vergeht schnell, und zu den Feiertagen bin ich das erste Mal richtig im Stress. Ich hab mich gut eingelebt, und kann den Tagesablauf langsam auch geniessen.

Am Nachmittag bringt der Chef jeden Tag ein Stück Kuchen und eine Tasse Kaffee. Ein Service, den nur ich geniesse. Ein klein wenig bin ich Stolz darauf. Es zeigt mir, das ich gute Arbeit leiste, das er mich schätzt. Der Rucksack auf meinem Rücken mit all den Fehlern und falschen Entscheidungen der letzten Zeit ist schwer, aber ich habe die Hoffnung, das er mich nicht länger nach unten drücken wird.

Auch die Arbeit bei Herbert wird langsam zur Routine. Über die Ostertage war ganz schön was los, und es wurde zum Teil sehr spät.

Die Tage vergehen einer wie der andere. Der Ablauf ist Eintönig und gleichmütig, keine Überraschungen. Mal ein Schwätz hier oder da mit einigen Urlaubern, aber ansonsten knüpfe ich keine neuen Kontakte. Es ist, als wäre das hier nur ein Leben neben dem Leben, ein kleiner Umweg, bevor ich wieder auf meine Hauptstrasse zurück kehre, und dort wieder Gas geben kann. Eine Warteschleife, nach der hoffentlich alles besser wird.

Dann endlich war es soweit. Für zehn Tage nach Hause. Ich konnte es kaum erwarten. Das Nötigste war bereits gepackt, der Golf stand wieder mal direkt hinter dem Haus, und so zügig wie an diesem Abend hatte ich den Laden noch nie abgeschlossen. Noch schnell etwas essen, und ab geht‘s. Die nächsten vier Stunden fliege ich fast über die Autobahn. Die Vorfreude trägt mich Kilometer um Kilometer.

Spät in der Nacht bin ich da. Meine Mutter hat tatsächlich gewartet. Ich bin so müde, das ich sofort ins Bett falle.

Am nächsten Morgen stehe ich erwartungsvoll auf Ich freue mich auf all die Leute, die ich gefühlt seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen habe.

Das Telefon bleibt ruhig. Unerwartet schweigsam und leblos liegt es neben mir. Klar sind die vielen sms weniger und weniger geworden, aber ich hatte doch überall Bescheid gesagt, das ich wieder da bin. Keiner meldet sich? Das kann doch gar nicht sein. Enttäuscht gehe ich in den Garten. Das Wetter ist herrlich, viel zu warm für diese Zeit, und so lege ich mich in die Sonne. Ein wenig Entspannung tut mir auch gut. Wirklich frei hatte ich ja nicht die letzte Zeit.

Ich beschliesse am Abend in die Stadt zu fahren, und zu schauen, was los ist.

Am späten Nachmittag scheint auch mein Telefon wieder zu erwachen. So muss ich wohl doch nicht allein los.

Von meinen vielen vielen Kontakten bekomme ich nicht viel Rückmeldung. Und auch das Abfahren gewohnter Treffpunkte bringt nicht das Erwartete. Alles ist so oberflächlich. War das schon immer so? Der Nachmittag und Abend sind angenehm. Die Zeit vergeht schnell und ich bin spät zu hause. Aber etwas fehlt. Es ist nicht so, wie es war, bevor ich weg bin. Viele habe ich wieder getroffen, aber plötzlich gehöre ich nicht mehr dazu. Die erste Frage ist „Wie geht es Dir?“ und danach kommt „Bist Du wieder zurück“ Nein, bin ich nicht. Es ist kurz nach Ostern, ich darf noch bis Oktober. Das macht mich irgendwie zum Aussenseiter. Es ist schön das ich da bin, aber teilhaben lässt man mich nicht mehr wirklich. Klar kann ich mit kommen, aber wenn es um Planung geht soll ich mich doch melden, wenn alles entschieden ist. Früher habe ich angesagt, was als nächstes kam. Jetzt bin ich nur noch Besucher. Ein Gast, den man mitnimmt. Ein Anhängsel, ein Hübsches, aber ein Anhängsel.

So degradiert überarbeite ich im Kopf meine Freundesliste. Ein paar wenige sind geblieben und so vergeht die Woche im kleinen Kreis. Das Wetter macht auch mit, so das es sich wirklich wie ein kleiner Urlaub anfühlt.

Auf dem Weg wieder nach oben gehen mir viele Dinge durch den Kopf. Ich bin traurig, das ich nur noch so wenige Freunde habe. Gleichzeitig frage ich mich, wie ich vorher nicht erkennen konnte, das sie gar keine Freunde waren. Ich bin so blauäugig, do leichtsinnig und vertraue einfach viel zu schnell. Ich hätte es doch wissen sollen. Es ist nicht das Selbe. Es ist nicht so, das ich das Gefühl habe, einen Scherbenhaufen zu hinterlassen. Es ist eher so, das ich ein Stück trockenen Rasens nun endlich auch als solchen erkenne. Ich hatte mir nur vor gemacht, das er Grün und saftig wäre. Letzen Endes ist es mein Leben. Ich werde es vermissen, nicht mehr so gefragt zu sein. Es wird mir fehlen, in einer Gruppe nicht mehr der Tonführer zu sein. Aber wenn ich das hinter mir habe, kann ich neu anfangen. Und dazu braucht man keine falschen Freunde. Es tut weh, ich bin enttäuscht von denen und von mir. Aber ich lasse mich nicht unterkriegen. Denn das erwarten sie alle. Das werde ich ihnen nicht gönnen.

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