Richtig heisst es ja

„Cogito, ergo sum. – Ich denke, also bin ich.“ von René Descartes

Das Denken steht heute einfach nicht mehr hoch im Kurs. Es wird uns so oft abgenommen, das man ja nur noch etwas lesen muss, und schwups, schon hab ich eine Meinung. Ok, es ist dann nicht meine eigene, aber das ist eh nicht so wichtig. Wer kann sich heut zu Tage denn noch eine eigene Meinung bilden? Ach, wer will das denn überhaupt? Sowas eigenes ist eher lästig und anstrengend. Da muss man sich ja noch selber kümmern.

Es genügt doch, sogenannte Tageszeitungen kurz durch zu blättern, um in der Kantine oder am Stammtisch mitreden zu können. Dabei ist es auch nicht wichtig, wie gut der gelesene Beitrag recherchiert und dargestellt wurde. Ob beide Seiten ausreichend betrachtet und alle Informationen eingeholt oder berücksichtigt worden. Der Inhalt muss reisserisch sein, das Thema ein immer Währendes, und zack, die neue Titelzeile ist fertig. 

Wie oft hat ein und die selbe Zeitung gestern noch eine neue App vorgestellt und gelobt, einen Politiker als neue Alternative gepriesen, eine neue Seite empfohlen, und selbiges keine zwei Wochen später wieder verteufelt. Wichtig ist doch, das man mitmacht. Ob im Internet oder eben am Stammtisch. So ein richtiger Shitstorm macht doch nur Spass, wenn möglichst viele mitmachen. Ausser natürlich, man selbst ist das Ziel. Es ist doch einfach, andere zum Opfer machen. UND- solange es um die anderen geht, kann ich meine Fehlleistungen gut verstecken.

Welche Nachrichten sind heute noch Nachrichten? Wer informiert denn wirklich noch unvoreingenommen? Wer macht sich wirklich noch die Mühe, und informiert sich umfassend, bevor er sich eine Meinung bildet? Ist es überhaupt möglich, alle Informationen zu bekommen?

Wer einen etwas tieferen Blick in die Medienlandschaft wirft, wird feststellen, das es es aus einem Flechtwerk besteht, an dem weder das Ende noch der Anfang klar auszumachen sind. Es ist heute möglich mit nur einer Schlagzeile einen Bürgerkrieg an zu fangen. Und scheinbar ist es einfacher Hass und Zwietracht zu säen, als gut zu informieren.

Es geht nicht nur um die alljährlichen „Diät- Spiele“ die sich durch unzählige Frauenzeitschriften ziehen. Es geht nicht um die „Ich mach es mir jetzt selbst“ Anleitungen für schöneres Wohnen. Vorne erzählen sie einem, was man alles tun kann, um noch individueller zu leben. Und hinten schreiben sie dann, wie man sich am besten anpasst, um herdengetreu durchs Leben zu wackeln. Nein, das alles wäre ja noch ertragbar, muss ja jeder selber entscheiden, was er zu glauben bereit ist.

Aber wenn es um Politik und Wirtschaft geht. Um unser Rechtssystem und wie man hier noch informiert, dann wird einem schlecht. Wer einmal eine Kampagne für eine Volksabstimmung anschaut, muss doch sehen, das mehr und mehr geworben, und weniger und weniger informiert wird.

Wir leben im Informationszeitalter. Das heutige Wissen verdoppelt sich ca. alle drei Jahre. Das legt zu Grunde, das Informationen auch zugänglich sein sollten. Wer wird diese Welt führen, wenn Wissen nicht mehr zugänglich ist? Die Verschwendung von Worten und Sätzen ist nichts weiter als „Brot und Spiele“ für die Massen. Die wirklich wichtigen Dinge bleiben einem elitären Kreis vorbehalten. Auf diese Art lässt sich gut die Kontrolle behalten.

Ich lese, also bin ich? Nein, nicht in der heutigen Zeit. „Ich bin, also lese ich“ wäre mir lieber.