Ausgebremst


Während meine namenlose Prinzessin ihren Weg sucht und meine Elfenwelt Form annimmt, wandern meine Gedanken im Moment in meine Vergangenheit, zu meiner Herkunft.

Ich habe so oft im Leben neu angefangen, dass ich diese alt vertrauten Freunde, diese erinnerungsvollen Orte, dieses tiefe Heimatgefühl nicht mehr kenne. Manchmal vermisse das. Wenn ich zu meiner Familie fahre und sehe, wie sich alles ändert, wie es fremder wird, dann habe ich sowas wie Fernweh. Fernweh zurück zu den Zeiten, als alles sorgloser war, leichter. Dann sehe ich mein jüngeres Ich durch die Parks wuseln, sehe den Unsinn, den wir angestellt haben und die Träume, die wir hatten. Natürlich war nicht immer alles gut, aber irgendwie überwiegen die guten Erinnerungen. An eine Kindheit draussen, an Iglus und lebensgefährliche Schlittenfahrten den Dorfhügel runter, an kilometerlange Läufe durch hüfthohe Schneewehen, weil der Unterricht ein Dorf weiter war, an unsere alte Badeanstalt und dem alten, damals schon verfallenen Tanzpavillon oder die Radtouren zur neuen Badi, auch ein Dorf weiter. An die Kirschbäume, die meist auf dem Heimweg von der Badi geplündert wurden oder die nächtlichen Wanderungen nach der Disco nach Hause, weil kein Zug mehr fuhr. Es war trotz und oft auch wegen allem eine gute Kindheit. Sie hat mich geprägt und viele meiner heutigen Stärken hervor gebracht.

Wenn ich uns heute anschaue, bin ich in den meisten Fällen bin begeistert. Aus vielen sind tolle Persönlichkeiten geworden. Und ich würde heute nochmal mit ihnen durch die Parks in unserem Dorf streifen und bin sicher, wir hätten genau soviel Spass, wie damals. Es gibt auch die Ausnahmen, wo man denkt: wirklich schade.

Aber dann gibt es die, die wie Sternschnuppen immer mal wieder in mein Leben getreten sind. Und es ist, als lägen nicht Jahre oder gar Jahrzehnte dazwischen. Wenn das Lächeln und die Herzlichkeit alles überbrückt und die Energie immer noch die selbe ist. Wenn das Verstehen immer noch allumfassend ist und es keine Erklärungen braucht, für gar nichts. In diesen Momenten schliesse ich Frieden mit mir, höre auf zu hadern und kann einfach sein. Dies Menschen sind selten, sind Diamanten von unermesslichem Wert. Weil sie mein Herz berühren. Ich mag diese Menschen, bei denen man ankommen kann, sein kann und gesehen wird. Ich wünsche jedem, dass er mindestens einen solcher Diamanten in seinem Leben hat. Sie sind die Helden, die Sonnenstrahlen, die einen grauen Tag erhellen.

Früher habe ich mal gesagt: Dieses Leben ist eines der Schönsten. Ich denke nicht, dass wir Leben um Leben auf dieser Erde wandeln und uns vielleicht sogar an Vergangene erinnern. Aber ich weiss, dass jeder verschiedene Abschnitte durchläuft. Jeder Tag ist die Konsequenz der vorangegangenen, ist eine Saat, die wir gesetzt haben. Irgendwann. Und auch wenn es in den meisten Fällen in unserer Hand liegt, was wir daraus machen, können wir nicht alles kontrollieren. Manchmal spielt das Wetter eben verrückt.

Manchmal habe ich das Gefühl, in einem Sturm zu stecken. Er hat sich angedroht, er war sehr wahrscheinlich sogar längst fällig. Heute habe ich mich selbst ausgebremst, habe den Sturm ignoriert und mir dadurch spontane Zeit beschert. Zeit in der ich meine eigenen Stürme zu packen versuchte. Und mich am Ende dankbar fand. Dankbar für die seltenen Diamanten, die Sonnenstrahlen und die Sternschnuppen in meinem Leben. Und auch für die, die mich nur ab zu begleiten, für die Lichtbitze, wenn es gerade dunkel war.

Und dankbar für den Sturm, dass er mich daran erinnert.

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