Seelen kennen keine Zeit


Der KussSanft berühren die Lippen die meinen. Liebkosend wandern sie von einem Mundwinkel zum anderen. Zwischendurch spüre ich ein herausforderndes Knabbern. Dann dringt die Zunge sacht in den Mund, sucht meine und stupst sie leicht an. Wie in einem Spiel, in dem man erst noch festlegen muss, welche Rolle man übernimmt, umkreisen sich unsere Zungen. Sie berühren, umwerben einander, um dann wieder dominant zu locken. Sie bewegen sich in einem geheimen Rhythmus, den nur nur wir zwei spüren. Es ist ein Locken und gelockt werden, ein Geben und Nehmen, das atemlos macht.

Dieser Kuss ist anders alle Küsse vorher. Gefühlvoller, zärtlicher und er trifft mich bis ins Mark. Ich spüre, wie ich einfach mitmache, ihn tief empfunden beantworte. Ein kribbeln schleicht sich von meiner Kehle über die Brust bis in den Bauch. Dort verharrt es, gräbt sich tief ein und lässt mich fast den Halt verlieren. Meine Hände umfassen das Gesicht, die Daumen streichen über die Wangen. Wenn ich wünschen könnte, so würde ich wünschen, das dieser Kuss niemals enden möge.

Gern würde ich dem Gedanken nach gehen, wie es überhaupt zu diesem Kuss gekommen ist. Aber das Herz heisst den Kopf schweigen. Dieses Mal übernimmt es die Kontrolle. Und ob der Intensität der Gefühle, die in Wellen durch meinen Körper strömen bekommt es, was es sich wünscht. Dieser Kuss verheisst den Himmel. Eine Liebe so unendlich, so dauerhaft und tief verstanden, das man danach süchtig werden kann.

Er ist so rein, so ursprünglich und innig, das ich es wagen kann, die Kontrolle ab zu geben. Nur jetzt. Nur für diesen Kuss. Ich möchte ihn geniessen, ihn in mir aufsaugen um mich später daran erinnern zu können.

Die Welt um uns herum versinkt. Nichts ist mehr wichtig. Kein Gedanke an etwas anderes. Nur das Empfinden. Das aufgehen in diesem Kuss. Und dem Wunsch, bis tief ins Innerste des Anderen kriechen zu können, um immer ein Teil davon zu sein.

Für einen Moment kann ich einfach nur sein. Doch dann ist es vorbei. Was um alles in der Welt tu ich hier? Gefällt mir das etwa? Mein Körper und meine Lippen bezeugen das. Wie konnte es nur soweit kommen? Liegt es nur am Verbotenen? Ist es die Erotik, die mich anzieht? Oder könnte ich mich wirklich in einer anderen Frau fallen lassen? Es ist das erste Mal für mich, dieser gleichgeschlechtliche Kuss. Doch unter all den Zweifeln die mich jetzt zu übermannen drohen spüre ich noch etwas.

Den Wunsch, das immer wieder geniessen zu dürfen. Und es ist egal, ob es ein Mann oder eine Frau ist.

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