Archiv der Kategorie: Erfahrung

Wehret den Anfängen!


Ich bin Autorin.
Für mich ist das ein Ergebnis, das aus einem Trauma heraus entstanden ist. Unerwartet und doch eigentlich schon immer da.
Ich bin alt genug, um sagen zu können, das ich in der Schule noch Kalligraphie gelernt habe. Ich werde nie vergessen, wie erhabend ich es damals fand, diese Schönschrift auf Papier zu bringen.
Wenn ich heute so eine Feder sehe, fallen mir tolle Geschichten dazu ein. Und ich schreibe sie mit Freuden auf.
Angefangen hat es aber anders. Ich wollte mir eigentlich all mein Unvermögen, all den Ballast von der Seele schreiben, der mich klein hielt, der mich runter drückte und mir das Atmen, das Leben schwer machte. Ja, das soll tatsächlich helfen. Davon habe ich auch gehört. Was mir geholfen hat, war die Erkenntnis, dass dieses sich ständig darin suhlen, das immer wieder eintauchen in den ganzen Müll am Ende nichts bringt, als dass man sich genau so schei*** fühlt wie in dem Moment, als es passierte. Diese Einsicht lies mich Märchen schreiben, lustige Kurzgeschichten oder auch mal was gruseliges. Das machte Spass, das fühlte sich toll an und tut es heute immer noch. Ich habe eine Berufung gefunden.
Veränderungen sind oft nicht einfach. Aber wer sich ihnen stellt, sie als Möglichkeit betrachtet, hat meiner Meinung nach die besseren Option, auch langfristig. Nicht aus jeder Schei*** lässt sich Gold machen. Manchmal genügt es, ihr einfach ein Loch zu graben, dass tief genug ist.

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Mein rotes Schmuckstück


Mein rotes Schmuckstück
Angelika Dyllong

Es ist Montagmorgen, und ich steige im Halbschlaf in mein Auto. Eigentlich will ich wie gewohnt zur Arbeit fahren. Das Wachwerden ist offiziell erst nach dem ersten Kaffee so gegen neun geplant.
Beim Einsteigen fällt mir auf, dass der Tank leer ist.
Nicht einfach im Sinne von „Oh, die Lampe ist gerade angegangen!“ – Leer. Es ist dieses „schaffe ich es noch bis zur nächsten Tankstelle?“ – Leer. Der Zeiger, der im roten Bereich der Skala ruht, macht keine Anstalten, sich auch nur einen Millimeter nach oben zu bewegen. Ich überlege, warum ich nicht getankt habe. Aber der Hamster, der das Rad antreiben sollte, damit mein Gehirn anfängt zu laufen, scheint ebenfalls noch nicht anwesend zu sein. Wo bin ich gewesen? Moment! Mein rotes Schmuckstück weiterlesen

Beginn oder Ende?


Was meint ihr?
Lust auf mehr?

 

Ein kleiner Picks und die Kanüle wird auf dem Handrücken eingeführt. Etwas kaltes kriecht ihren Arm hoch, greift nach ihrem Herzen und versetzt sie in Bewusstlosigkeit.

„Gestohlene Leben haben die Eigenart, sich immer wieder neue Meister zu suchen. Was ist der Alte schon wert, wenn es Beginn oder Ende? weiterlesen

Davon könnt ihr euch heute gar keine Vorstellung mehr machen.


Dies ist mein Beitrag zum 9+1-Schreibprojekt von Blaubeermuffins machen glücklich

Der aktuelle Satz lautet: Davon könnt ihr euch heute gar keine Vorstellung mehr machen.

 

Diesen Satz hat jeder schon mal gehört. Meistens wohl eher als Vorwurf. Darum habe ich mir etwas überlegt, und hoffe es gefällt euch.

… „Davon könnt ihr euch heute gar keine Vorstellung mehr machen.“

Leise schweben die mit Stolz geflüsterten Worte aus seinen Mund, schwingen sich langsam aus dem kraftlosen Körper und scheinen einfach in der Luft zu hängen und zu warten. Davon könnt ihr euch heute gar keine Vorstellung mehr machen. weiterlesen

Das Karma und die Fernbedienung (überarbeitet)


Einige Details sind in der Erstversion leider der Kürze zum Opfer gefallen.
Hier eine etwas längere und auch bösere Version, ich hoffe, der Unterhaltungswert ist gegeben. Was findet ihr?

Endlich Freitag. Christoph freute sich auf das bevorstehende Wochenende. Er wollte Zeit mit seinen Kumpels verbringen: Eine zünftige Männerrunde, wie früher. Sie hatten alle das gleiche Hobby: Modellbau. Und seine neueste Errungenschaft wartete darauf, vorgeführt zu werden. Ein roter Mustang im Maßstab 1:30. Der Motor war selbst gebaut und der Flitzer natürlich aufgemotzt.

 

Gut gelaunt bog er in die Einfahrt. Per Knopfdruck öffnete sich das Garagentor und Das Karma und die Fernbedienung (überarbeitet) weiterlesen

Der letzte Tanz


„Manchmal sehe ich sie alle, weißt du das?“, riss sie ihn aus seinen Gedanken. Er wusste es nicht und quittierte die Frage darum mit einem „Hmm.“, und schwieg dann weiter.

„Ich meine Julie und Steve, Gustav und natürlich auch Ruth. Und all die anderen. Sie warten im Pavillon im Park auf uns.“ Sie schaute ihn über den Rand der Kaffeetasse ernst an. Ihre Augen waren für ihn wunderschön, auch wenn das Grau längst verwässert war. In seiner Kindheit hatten sie früher einen Reim: “Graue Augen- Straßendreck- werfen alle Jungen weg.“ Auf ihn traf das nicht zu. Der Glanz und die Stärke ihrer Augen hatten ihn zuallererst gefesselt. Ihr Blick war klar wie Tau an einem Frühlingsmorgen, manchmal auch silbern und tief wie der See im Herbst, kurz vor dem ersten Frost, wenn das Wasser ganz still war. Und genau so war sie auch. Vielschichtig und intelligent: eine Frau die ihn überraschte und herausforderte, auch heute noch. Der letzte Tanz weiterlesen

Das Karma und die Fernbedienung


Endlich Freitag. Christoph freute sich auf das bevorstehende Wochenende. Er wollte Zeit mit seinen Kumpels verbringen: Eine zünftige Männerrunde, wie früher. Sie hatten alle das gleiche Hobby: Modellbau. Und seine neueste Errungenschaft wartete darauf, vorgeführt zu werden. Ein roter Mustang im Maßstab 1:30. Er baute den Motor und der Flitzer war natürlich aufgemotzt. Das Karma und die Fernbedienung weiterlesen