Archiv der Kategorie: Erfahrung

Der Traum


Manchmal lese ich alte Sachen und weiss im ersten Moment nicht mehr, dass ich das wirklich geschrieben habe. Die meisten davon gehören dringend überarbeitet 😉
Ich hoffe, mein „Update“ gefällt euch. Bitte schreibt doch in die Kommentare, ob es mir gelungen ist.

Der Traum

Im Traum sehe ich kleine blaue Funken. Sie züngeln federleicht und tanzen an den Stellen, die er gerade noch berührt hat. Die Haut darunter glitzert als wäre sie mit abertausenden winzigen Strasssteinen überzogen und kribbelt dabei warm.

Im Traum versinke ich in seinen Augen, sehe all die Bilder, all die Erinnerungen, die er sieht, wie einen Film vor mir: Das verhaltene Lächeln an unserem ersten Treffen, der verschmitzte Blick nach dem ersten Kuss und die unendlich scheinende Nähe, nachdem wir uns geliebt hatten. Die Sicherheit, dass wir, dass unsere Gefühle füreinander endlos sind, dass wir für immer wir sind, tief verwobene Seelen, die im gleichen Rhythmus pulsieren.

Im Traum tanzen wir. Jedes Mal. Und es beginnt immer gleich.

Ich sehe mich Schritt für Schritt auf ihn zugehen. Mein zierlicher Fuss setzt zuerst zart mit den Zehen auf und rollt dann einer Ballerina gleich sanft ab. Er breitet die Arme aus, damit ich hineingleiten kann.
Mein linker Arm legt sich auf seinen rechten, als würde genau dorthin gehören, und nirgends anders. Seine Hand gleitet liebevoll unter meinen Arm, fängt ihn auf, als wäre er eine Feder, und legt sich sanft auf mein Schulterblatt. Sein Blick gleicht einem zarten Streicheln, er liebkost er meine Schultern, den Hals und dann mein Gesicht.
Diese Umarmung ist unsere Welt. Er schaut mir neckend in die Augen. Ein immer wiederkehrendes Ritual, unser Vorspiel auf dem Parkett und doch kann ich es kaum erwarten. Seine linke Hand fährt langsam an meinem rechten Arm nach unten. Da sind sie wieder, diese kleinen blauen Zungen. Meine Haut dürstet danach. Wie ein Schwamm das Wasser saugt sie sie auf und das Glitzern verstärkt sich, pulsiert und sendet sichtbare Wellen über jeden Zentimeter meines Körpers. Die Ausläufer werden schwächer, je weiter sie sich vom Ursprung entfernen.
Als seine Hand meine erreicht, nimmt er sie ganz leicht und führt sie nach oben. Es ist wie ein Startsignal und wir reagieren gleich. Die Füsse bewegen sich gleichzeitig zum Takt. Die Musik trägt uns durch den Moment und aus der Zeit. Ich lasse ihm die Führung, folge ihm leichtfüssig und wiege mich an ihm zur Melodie. Das hätte ich früher nie getan, aber im Traum ist das anders.
Er dreht mich immer wieder. Rechts herum, links herum, wie es ihm gefällt. Und dass es ihm gefällt, sehe ich genau. Es ist dieses zufriedene, glückliche Lächeln, das ich nie wieder vergessen will. Es berührt mich bis ins Innerste. Nach jeder Drehung suche ich seinen Blick. Nach jeder Drehung ist er da und ich fliege zurück in seine Arme. Wir tanzen im gleichen Takt während bunte Lichtkegel um unsere Beine streifen.
Dann nimmt er meinen rechten Arm, legt ihn mir auf den Rücken und ergreift meine Hand mit seiner Rechten. Das ist mein Lieblingsteil.
Unsere Schritte sind im Einklang. Ich warte auf sein Zeichen. Er spürt es genau. Die Spannung in der Hand auf dem Rücken erhöht sich mit jeder Strophe etwas mehr, sie tastet nach dem ersten Impuls, der die Erlösung bringt. Und er zögert es hinaus. Noch ein bisschen mehr. Doch dann geht es los. Meine Hüfte bekommt einen sanften Stoss für die Drehung während er meinen rechten Arm aus der Drehung heraus nach oben nimmt für eine weitere Drehung. Ich drehe mich zwei Mal um mich selbst, und dann noch einmal in entgegengesetzter Richtung. Ich schwebe, meine Umgebung verschwimmt und ich verliere fast das Gleichgewicht. Ich fühle mich wie eine Prinzessin die im Kreis der weit angereisten Nachbarn mit ihren Prinzen durch den Ballsaal gleitet. Dann der letzte Schwung um endlich wieder in seine Augen schauen zu können. Doch da ist nichts. Keine bunten Lichtkegel, keine liebevollen Augen und keine Hand die mich hält. Der Boden öffnet sich unter mir und reisst mich in ein nicht enden wollendes Loch. Die Dunkelheit ertränkt mich und raubt mir den Atem. Ich bin auf einen Schlag hell wach. Die Hand, die suchend in das Bett neben mir greift, findet nur Leere. Ich werde nie wieder mit ihm tanzen können und wünsche mir einen Augenblick die schmerzlose Schwärze zurück.

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Zeit, immer wieder Zeit


Wow, sechs Jahre gibt es Lucy nun schon. Meine Spielwiese hat ihren Zweck längst erfüllt und doch mag ich mich nicht von ihr trennen. Zeit, immer wieder Zeit weiterlesen

Warten


Aktuell stehe mal wieder vor einer Wand. Nix geht so, wie ich es möchte. Es braucht halt Zeit, und eigentlich weiss das ja auch… Wenn nur die Ungeduld nicht wäre.

Und dann schlag ich mein Ideenbuch auf, weil ich weiss, dass Warten wenn man wartet nur besser wird, wenn man was macht. Und sehe so viele tolle Dinge. Und plötzlich bin ich froh, Zeit zu haben.

#Leben, einfach ich


Ja, es ist gerade Sommer draussen. Genau drum fand ich, passt der Satz so herrlich, har har har 😉
So langsam nimmt der neue Roman Formen an. Hier ein Satz daraus für euch:

 

Mit eisigen Fingern griff die Angst nach ihrem Gemüt, legte sich wie eine schwere Decke um ihre Schultern und erstickte die Hoffnung wie der späte Frost, der erste Keimlinge mit seinem Eishauch überzog und sie dann leblos dem ersten Sonnenstrahl überließ.

Familie


Vorsichtig betrat ich das Anwesen.
Familie so sagte man mir, das wäre ein Haus in dem Kinderlachen erklingt und ein Garten dazu, in dem sie lernen können, wie man wächst. Tief in meinem Inneren stiessen diese Worte auf ein Echo, ein Glocke, die lauter und lauten zu schlagen schien, je tiefer ich in diese Mauern eindrang.

Gefühlsfetzten flatterten durch meinen Bauch. Sie Familie weiterlesen

Die Vögel


Seine Blicke folgten den Vögeln, denn diese verhießen nichts Gutes. Es war ein Morgen, der ihm noch lange in Erinnerung bleiben sollte, weil er schon bei ihrem Anflug wusste, was ihm drohte. Die Formation war der eines Angriffsfluges sehr ähnlich. Es gab nur kleine Unterschiede, doch sie fielen ihm auf. Die Vögel weiterlesen


Ich bin Autorin.
Für mich ist das ein Ergebnis, das aus einem Trauma heraus entstanden ist. Unerwartet und doch eigentlich schon immer da.
Ich bin alt genug, um sagen zu können, das ich in der Schule noch Kalligraphie gelernt habe. Ich werde nie vergessen, wie erhabend ich es damals fand, diese Schönschrift auf Papier zu bringen.
Wenn ich heute so eine Feder sehe, fallen mir tolle Geschichten dazu ein. Und ich schreibe sie mit Freuden auf.
Angefangen hat es aber anders. Ich wollte mir eigentlich all mein Unvermögen, all den Ballast von der Seele schreiben, der mich klein hielt, der mich runter drückte und mir das Atmen, das Leben schwer machte. Ja, das soll tatsächlich helfen. Davon habe ich auch gehört. Was mir geholfen hat, war die Erkenntnis, dass dieses sich ständig darin suhlen, das immer wieder eintauchen in den ganzen Müll am Ende nichts bringt, als dass man sich genau so schei*** fühlt wie in dem Moment, als es passierte. Diese Einsicht lies mich Märchen schreiben, lustige Kurzgeschichten oder auch mal was gruseliges. Das machte Spass, das fühlte sich toll an und tut es heute immer noch. Ich habe eine Berufung gefunden.
Veränderungen sind oft nicht einfach. Aber wer sich ihnen stellt, sie als Möglichkeit betrachtet, hat meiner Meinung nach die besseren Option, auch langfristig. Nicht aus jeder Schei*** lässt sich Gold machen. Manchmal genügt es, ihr einfach ein Loch zu graben, dass tief genug ist.

Mein rotes Schmuckstück


Mein rotes Schmuckstück
Angelika Dyllong

Es ist Montagmorgen, und ich steige im Halbschlaf in mein Auto. Eigentlich will ich wie gewohnt zur Arbeit fahren. Das Wachwerden ist offiziell erst nach dem ersten Kaffee so gegen neun geplant.
Beim Einsteigen fällt mir auf, dass der Tank leer ist.
Nicht einfach im Sinne von „Oh, die Lampe ist gerade angegangen!“ – Leer. Es ist dieses „schaffe ich es noch bis zur nächsten Tankstelle?“ – Leer. Der Zeiger, der im roten Bereich der Skala ruht, macht keine Anstalten, sich auch nur einen Millimeter nach oben zu bewegen. Ich überlege, warum ich nicht getankt habe. Aber der Hamster, der das Rad antreiben sollte, damit mein Gehirn anfängt zu laufen, scheint ebenfalls noch nicht anwesend zu sein. Wo bin ich gewesen? Moment! Mein rotes Schmuckstück weiterlesen

Beginn oder Ende?


Was meint ihr?
Lust auf mehr?

 

Ein kleiner Picks und die Kanüle wird auf dem Handrücken eingeführt. Etwas kaltes kriecht ihren Arm hoch, greift nach ihrem Herzen und versetzt sie in Bewusstlosigkeit.

„Gestohlene Leben haben die Eigenart, sich immer wieder neue Meister zu suchen. Was ist der Alte schon wert, wenn es Beginn oder Ende? weiterlesen