Meine Welt steht Kopf


Geht es euch auch so?

Immer öfter führe ich Gespräche, die meine Welt auf den Kopf stellen. Gerade erst wusste ein Autorenkollege nicht, was ein Spannungsbogen ist. Oder ein Twist. Er schreibt nicht erst seit gestern. Aber das wirklich verwirrende daran war, dass es ihn garnicht interessierte. Tolle Geschichten zum Lesen wolle er schreiben. Und er hätte doch Leser. Er schreibt sich einfach alles aus dem Kopf und findet das gut und richtig so.

Es spricht ja nichts gegen diese Haltung. Dafür gibt es sogar einen Fachbegriff: kreative Freiheit heisst das.

Ich bin in der Zwickmühle. Ich weiss, wie es besser geht. Gefühlt habe ich es selber doch grad erst gelernt. Ich war dankbar. Konstruktives Feedback lässt mich besser werden. Aber jetzt ist es quasi aufdringlich, fast schon übergriffig, wenn ich sage, dass der Spannungsbogen fehlt.

Wie darf ich mir das denn vorstellen? Wird es demnächst nur noch Geschichten geben, die von Wortwiederholungen und Füllworten nur so überquellen? Denen neben dem Spannungsbogen auch jeglicher Sinn fehlt, weil jetzt alle nur noch ihren Kopf leer schreiben? Weil die eigene Schnupfbiografie das Non plus Ultra ist?

Ist es zu viel verlangt, dass sich Autoren mit ihrem Handwerk auseinandersetzen?

Wie wichtig darf und muss das Können sein? Wie wichtig ist es dir?

Enttäuschungen


Ich wollte schreiben, neue Geschichten in die Welt lassen, ihnen Raum und Leben geben.
Zum ersten Mal wollte ich gezielt konstruieren und das Gerüst mit Bildern füllen.

Es ist mir nicht gelungen.

Jetzt habe ich einen tollen Ort, lauter nette Charaktere…. na ja, fast, jede Generation braucht ihr Arschloch 😂
Aber immernoch kein Drama, dass diese Geschichte voran treibt.

Ich war so enttäuscht. So viel Recherche, so viel Umtrieb… für nix.
Und dann, gestern, unterwegs, da war ich mal wieder auf meiner Seite.
Schreiben bedeutet für mich so ein Kribbeln in den Fingern, eine Unruhe tief hinten im Kopf und immer wieder Bilder zur Geschichte vor Augen. Der Prozess vom ersten Absatz bis zur Auflösung am Ende elektrisiert mich auf ganz wunderbare Weise.
Beim Lesen meiner alten Geschichten kam die Erinnerung daran wieder hoch. Und meine Enttäuschung löste sich einfach auf. Weil die Gänsehaut einiger Geschichten immernoch funktioniert, weil ich das Echo immernoch in mir spüre.
Ich konnte die Geschichte jetzt nicht schreiben. Aber ich bin sicher, meinen Protas ihre Geschichte zu geben. Nur eben später. Wenn es wieder Kribbelt. Denn nur dann werden die Geschichten gut.

#aboutme


Ich gebe nicht gern etwas preis. Dass ich veröffentliche, wissen nur sehr wenige.
Das odere Bild zeigt meine erste Bewertung zu meinem Tomatenbuch. Und ich zeige euch das, weil ich Mut machen möchte.
Mit der Veröffentlichung, mit jeder Veröffentlichung gebe ich etwas von mir preis. Bei einem Ratgeber, könnte man jetzt denken, kann nicht viel persönliches dabei sein. Aber ihr irrt. Alte Tomatensorten sind eine Leidenschaft von mir. Von der Aussaat bis zur letzten Ernte und Verarbeitung versuche ich, so viele Leute wie möglich ebefalls davon zu begeistern. Es ist ein Teil von mir. Alte Sorten, nachhaltiger Anbau… Dinge im Garten selbst machen. Ich bin stolz darauf.
Aber ich hatte Angst vor dem, was ich nicht weiss, nicht kann. Wer bin ich schon? Ich hatte Angst vor einer schlechten Bewertung, vor Kritik und Hähme. Darum ist diese erste Rezension so wichtig. Für mich, und für alle, die vielleicht gerade noch den Mut suchen, etwas Neues zu wagen.

Märchen von heute


Hier eine weitere Übung; 5 Wörter auf maximal einer Normseite verbaut. Für Feedback oder Eigenversuche bin ich wie immer dankbar.

Die 5 Wörter: Waschanlage, Sportwagen, Penthouse, Liebespaar, Balalaika

Und hier meine Geschichte.

Es war einmal ein kaufmännischer Angestellter, der hatte fünf Söhne. Sie waren nutzlose Parasiten, die ihn ständig anbettelten. Trotzdem liebte er sie. Da er nie “nein” sagen konnte, wenn sie ihn um etwas baten, überlegte er, wie er sie dazu bringen könnte, nicht mehr zu fragen.

Er beschloss, sie nacheinander zu sich zu bestellen, um das zu lösen. Und so machte er es auch.

Der erste Sohn kam zum Frühstück.
“Und, mein Sohn, was wünschst du dir am allermeisten?”
“Oh Vater, ein Sportwagen wäre wirklich das allerschönste, das ich mir wünschen würde”
“Nun Sohn, dann geh in die Welt und verdiene ihn dir.” Mit diesen Worten verabschiedete er seinen Ältesten. Der zweite wollte ein Penthouse, der dritte eine Waschanlage. Und ihnen erging es genauso.

Der Vorletzte, ein kreativer Geist, entschied er sich für die original russische Balalaika, weil er hoffte, der Vater würde sich lange genug mit diesem Wunsch für ihn beschäftigen. 

Als der Vater ihn hinausbegleiten wollte, stand sein Jüngster bereits im Flur. Auch mit ihm führte der Vater das Gespräch. Da der Junge aber wusste, was den anderen Wiederfahren war und das Scheitern seines Bruders vom Flur aus miterlebt hatte antwortete er seinem Vater:

“Vater, Liebe ist doch das Kostbarste. Ich wünsche mir eine Partnerin, mit der ich bis zum Ende meines Lebens ein Liebespaar sein kann. Und bis dahin bist du meine Familie.”

Überrascht von dieser Antwort legte er dem Nesthäkchen einen Arm um die Schultern und lud ihn auf einen Whisky ein.
“Wir könnten zusammen eine Reise machen, Vater. Was meinst du? Lädst du mich ein?”

Wege des Todes


Das hier ist eine kleine Schreibübung, die in einer Autorengruppe entstanden ist. Fünf Worte waren vorgegeben: Ventilator, Videospiel, Urne, Wolldecke und Spritze.
Ich wünsche viel Spass beim Lesen. Feedback dazu wie immer gern erwünscht.

Ein Ventilator surrt beruhigend im Hintergrund und streift mich regelmässig mit einem kühlenden Luftstrom. In der stehenden Luft des Raumes ist er herzlich willkommen und ich schiebe die Wolldecke ein Stückchen weiter runter.

Gedämpfte Geräusche wollen mich aus dem Schlaf zerren. Etwas hartnäckiges in mir wehrt sich vehement dagegen. Nur noch eine Minute länger, nur noch mal kurz umdrehen denke ich mir. Irgendwo spielt jemand ein Videospiel. Der Lärmpegel schwillt auf und ab.Es knallt und scheppert ständig und wenn es ruhiger zu werden scheint, erklingen wütende Stimmen.

Ich sollte aufstehen und das beenden. Das «Sollte» drückt sich mehr und mehr in mein Bewusstsein. Die Liste wird länger, je mehr Zeit ich verstreichen lasse. Aber dafür müsste ich dieses weiche, warme Nest verlassen.

Vielleicht bleibt noch ein Augenblick, um mit meinem Schatz zu kuscheln, ihn zu küssen und ihm einen guten Morgen zu wünschen, bevor ich mich der Realität stellen muss. So ein Augenblick gestohlener Zeit, wie er es immer nannte. Nur wir, nur jetzt. Unsere Waffe gegen die Realität, egal wie schwer es werden würde.

Ich drehe mich auf die Seite und öffne langsam die Augen. Dünnes, fades Licht fällt in einen kleinen, lieblosen Raum. Die blassgrüne Wand, an der der Nachttisch seht, kenne ich nicht. Aber ich erkenne die Urne, die darauf steht. Diese Erkenntnis zerschmettert das Leben, in dem ich mich eben noch wähnte. Jemand schreit, dass es einem bis ins Knochenmark fährt. Die Spritze, die mich gnadenvoll in meine Träume zurück lässt, spüre ich fast nicht.

#aboutme


Gefühlt steht Nelson von den Simpsons gerade an jeder Ecke und ruft laut:“Ha haa!“
Warum? Weil ich wieder lernen darf, was ich eigentlich weiss. Was ich versucht habe zu ignorieren und mich davor zu drücken.
Die liebe gute Sichtbarkeit und meine Einstellung zu ihr zeigen sich überall. Als Leistungsorientierte fällt mir das immer wieder besonders schwer. Ich bin doch gut. Muss ich mich noch extra zeigen? Scheinbar. Also: Violà, hier bin ich. Sonnenschein, Problemlöser, Drachentöter, wenn benötigt. Schön, dich kennen zu lernen.

Ja, ohne Märchen geht es bei mir nicht. Ich gehe sogar soweit, dass ich behaupte, dass alle Geschichten, die wir heute lesen, egal ob Krimi oder Storytelling der Coaches und „Krisenbesserwisser“, alles basiert auf Märchen. Darauf, dass es für jedes Problem auch eine Lösung gibt. Und ich glaube, jeder, der vor einem neuen Problem steht, hätte tief im Inneren gern erst einmal drei Wünsche frei, um es zu beseitigen.
Mein aktuelles Problem hat stark mit meiner Sichtbarkeit zu tun. Und ich wünschte wirklich, es wäre einfacher. Dabei stehe ich mir dann gern auch noch selbst im Weg. Das kann ich gut. Mein geheimer Beruf ist wahrscheinlich Vorsteher in einer Glaserei. Sorry, für diesen etwas flachen Wortwitz.

Ich will mich auch garnicht raus reden. Wie heisst es so schön: Jeder Autor verarbeitet auch eigene Erfahrungen in seinen Werken.
Das ist so. Und genau damit hadere ich. Ich hadere damit, dass auch wenn der Leser nicht weiss wo, er einen sehr privaten Teil von mir sieht, das er an meiner Seele vorbeistreicht und sie sich ihm verletzlicher präsentiert, als ich es vor Freunden tun würde. Natürlich kann ich jetzt argumentieren, dass der Leser es ja nie genau wissen kann. Und Freunde auch nicht, siehe oben, so nah lasse ich selten jemanden ran. Und genau da liegt die Krux begraben. Wie kann ich Fremden zeigen, dass ich mir Nahestenden verwehre? Und im Gespräch mit mir selbst habe ich gute Argumente. So gute, dass es keine Lösung gibt.
Ausser vielleicht zu vertrauen. Darauf, dass Freunde und Familie sehen, dass sie verstehen und längst akzeptiert haben, was ich gern auch vor mir selbst verberge.

In meinem Märchen würde ich die Prinzessin oder die Elfe jetzt einfach mitten durch das Problem schicken. Würde ihr wohlwollende Helfer an die Seite stellen und am Ende ein grandioses Happy End setzen. Im Leben sieht das etwas anders aus.
Aber vielleicht habt ihr ja Tipps? Anregungen? Erfahrungen? Es würde mich freuen.

Bis zum nächsten Mal

eurer Sonnenschein

Wo habe ich nur…


Jetzt, wo ich weiss, was ich suche, muss ich es nur noch finden 🙈

Die damaligen Recherchen waren sehr umfangreich. Ich wollte an allen möglichen Punkten authentisch sein. Ortsbeschreibungen, gesellschaftliche Begebenheiten, soziale Regeln. Das Chaos auf dem Esstisch war Programm.

Und jetzt muss ich etwas finden, von dem ich weiss, dass ich es damals noch wusste. Denn mir fehlt der richtige Einstieg. Der alte ist nicht schlecht. Es fehlen nur wichtige Informationen, die den Spannungsbogen erst perfekt machen. Es ist diese eine Szene, von der ich immer dachte, damit starte ich Teil 2, sollte es je soweit kommen.

Frau lernt zum Glück dazu. Ein zweiter Teil ist immer noch möglich. Aber tief im Herzen ist es mir im Moment eigentlich nicht wichtig. Denn im zweiten Teil wäre es um die globale Ausbreitung gegangen. Es wäre „nur“ ein Wettlauf, immer dem Bösen hinterher. Und diesmal wäre Anita mein Held, meine Heldin gewesen.

Aber jetzt liegt mir der Schauplatz DEU am Herzen. Weil es Heimat ist und immer bleiben wird. Egal, was ich mein Zuhause nenne.

Steh auf, Männchen!


Ich weiss noch, wie ich Anfang letzten Jahres nach der Veröffentlichung der Märchen dachte, ich hätte genug Zeit, um hier wieder von meinen Projekten zu erzählen. Von den Ideen für eine Fortsetzung der Märchen, von den Geschichten, die ich für andere schrieb oder meiner Horrorgeschichte.
Aber wie heisst es so schön? Erstens kommt es anders als man zweitens meistens denkt. 2019 war so ein Jahr. Eines zum Lernen, zum Reflektieren und um dankbar zu sein.
Das Schreiben wollte irgendwie nicht gelingen, auch wenn es immer wieder Ideen gab. Und so blieb auch die Freude auf der Strecke, euch etwas zu erzählen.
2020 habe ich mit Weiterbildungen gestartet, natürlich auch in Sachen Schreiben. Und gerade ist quasi ein Knoten geplatzt. Ja, ich weiss, manche brauchen länger, und ich manchmal richtig lange 😉

Das Bild ist das Cover zu meiner Horrorgeschichte. Ich habe heute einen wichtigen Impuls für die Geschichte bekommen. In meinem Kopf war immer alles klar. Aber in der Ausführung hatte ich ständig das Gefühl, das etwas Wesentliches fehlt. Zwei Runden Testleser konnten nicht helfen. Und auch sonst war die Kritik immer eher „so la la“. Da wurden Dinge bemerkt, die zwei oder drei Seiten weiter ihre Erklärung fanden. Das war alles. Die Betaleser hatten also nicht geholfen.
Ich hab alles beiseite gelegt, war frustriert und von mir enttäuscht. Die Idee brannte noch in mir, aber jetzt nicht mehr so stark. Und bevor ich etwas veröffentliche, dass mich nicht glücklich macht, veröffentliche ich lieber garnicht.

Ich weiss nicht, ob ihr das kennt, aber wenn man schreibt, ist es schwer, die eigenen Babys loszulassen. Ich bewahre alle Ideen auf. Sie sind sortiert und jederzeit zur Überarbeitung parat.
Vorgestern habe ich einen neuen Kurs zum Thema Schreiben gestartet. Und egal, worüber geredetwurde, genau diese Story drängte sich mir immer wieder auf. Der Auslöser war die Frage nach der Prämisse. Meine Geschichten haben immer eine Prämisse. Die Horrorgeschichte hat sogar zwei 😉

Und für mich persönlich drei. Denn genau die Anfrage hat mir die Augen geöffnet, was mir denn fehlte, warum ich es immer als unrund empfunden habe.

Und jetzt muss ich mich entschuldigen. 140 Seiten warten darauf, genau danach durchforstet und neu arrangiert zu werden. Bleibt gespannt.